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CITY Gallery, Vienna

Geburtstag von Kasimir Malewitsch (1879-1935)

Start Date
22.02.2022
End Date
22.02.2022
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LOCATION
CITY Gallery, Vienna
Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (russisch Казимир Северинович Малевич, wiss. Transliteration Kazimir Severinovič Malevič, ukrainisch Казимир Северин...

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (russisch Казимир Северинович Малевич, wiss. Transliteration Kazimir Severinovič Malevičukrainisch Казимир Северинович Малевич Kasymyr Sewerynowytsch Malewytschpolnisch Kazimierz Malewicz; * 11. Februarjul. / 23. Februar 1878greg. in Kiew; † 15. Mai 1935 in Leningrad) war ein Maler und Hauptvertreter der Russischen Avantgarde, Wegbereiter des Konstruktivismus und Begründer des Suprematismus. Beeinflusst wurde er vom Spätimpressionismus, vom Fauvismus und vom Kubismus. Sein abstraktes suprematistisches Gemälde Das Schwarze Quadrat auf weißem Grund aus dem Jahr 1915 gilt als ein Meilenstein der Malerei der Moderne und wird als „Ikone der Moderne“ bezeichnet.[1]

Kindheit und Jugend

Sein Vater Seweryn Malewicz (russ. Sewerin Antonowitsch Malewitsch, 1845–1902) und seine Mutter Ludwika (russ. Ljudwiga Alexandrowna, 1858–1942) waren polnischer Herkunft, die nach dem Januaraufstand von 1863, der von kaiserlich-russischen Truppen niedergeschlagen worden war, vom russisch besetzten Königreich Polen ins Gouvernement Kiew (heute Ukraine) innerhalb des Zarenreiches übergesiedelt waren. Beide Eltern waren Katholiken, in der Familie wurde neben PolnischRussisch auch Ukrainisch gesprochen.[2] Malewitsch selbst bezeichnete sich wechselnd als Ukrainer oder Pole, abhängig von der gerade notwendigen Intention, verneinte im späteren Leben jedoch jegliche Nationalität.[3]

Malewitschs Vater war technischer Angestellter in verschiedenen Fabriken der Zuckerrübenindustrie in Podolien und Wolhynien. Durch die häufigen Arbeitsstellenwechsel verlebte Malewitsch eine unstete Kindheit in kärglichen Verhältnissen. Seine äußerst rudimentäre schulische Ausbildung schloss Malewitsch mit einer fünfjährigen Lehrlingsstelle an einer Landwirtschaftsschule ab. Sein Interesse am Zeichnen nach der Natur erwachte in ihm jedoch bereits mit 13 Jahren. Drei Jahre später inspirierte ihn ein „Anstreicher, der das Dach anstrich und ein Grün mischte wie die Bäume, wie der Himmel. Das brachte mich auf die Idee, man könne mit dieser Farbe Baum und Himmel wiedergeben. […] Der Bleistift aber ärgerte mich sehr, und ich warf ihn schließlich weg, um zum Pinsel zu greifen.“[4]

Ausbildung

Frühlingsgarten in Blüte, 1904, Russisches Museum, St. Petersburg

Kasimir Malewitsch, um 1900

Die Familie zog im Jahr 1896 nach Kursk um, wo der Vater eine Stellung in der Verwaltung der Eisenbahngesellschaft Kursk–Moskau annahm und seinem Sohn eine Stellung als technischer Zeichner vermittelte. Malewitsch fand dort gleichgesinnte Autodidakten, die ausschließlich nach der Natur malten und denen er sich anschloss.

1901 heiratete er die Polin Kazimiera Sgleitz. Sein Vater vereitelte alle seine Versuche, sich an der Kunstakademie in Moskau zu bewerben, doch im Herbst 1904 hatte Malewitsch genügend Geld gespart, um bis 1905 ein Studium an der Schule für Malerei, Skulptur und Architektur in Moskau absolvieren zu können.

Ein Initialerlebnis bedeutete für Malewitsch im Jahr 1904 der Anblick von Claude Monets Gemälde der Kathedrale von Rouen, das sich in der Sammlung des Kunstmäzens Sergei Schtschukin in Moskau befand. „Zum ersten Mal sah ich die lichterfüllten Reflexionen des blauen Himmels, die reinen, transparenten Farbtöne. […] Von diesem Moment an wurde ich Impressionist.“[5] Von 1905 bis 1910 setzte er seine Ausbildung mit einem Studium am privaten Atelier von Fjodor Rerberg in Moskau fort.

Künstlerischer Anfang

Der Holzfäller, 1912/13, Stedelijk Museum, Amsterdam

1907 siedelte Malewitschs Familie endgültig nach Moskau über, und im gleichen Jahr fand seine erste öffentliche Ausstellung von zwölf Skizzen im Rahmen der 14. Ausstellung des Verbandes der Moskauer Künstler statt neben ebenfalls noch weitgehend unbekannten Künstlern wie Wassily KandinskyMichail Fjodorowitsch LarionowNatalija Sergejewna Gontscharowa.[6] Im Jahr 1909 heiratete Malewitsch in zweiter Ehe Sofija Rafalowitsch, die Tochter eines Psychiaters. Im folgenden Jahr nahm er an der von Larionow und Gontscharowa veranstalteten Ausstellung der Künstlergruppe „Karo-Bube“ teil. Ab 1910 begann seine neoprimitivistische Periode, in der er beispielsweise die Dielenbohnerer malte, ein Gemälde mit deutlich reduzierter Raumperspektive.

Gontscharowa und Larionow trennten sich 1912 von der ihnen verwestlicht erscheinenden Gruppe „Karo-Bube“ und begründeten die Künstlervereinigung „Eselsschwanz“ in Moskau, an der sich Malewitsch beteiligte. Auf einer Ausstellung dieser Vereinigung traf er auf den Maler und Komponisten Michail Wassiljewitsch Matjuschin. Die Bekanntschaft führte zu einer anregenden Zusammenarbeit, und es entwickelte sich zwischen beiden Künstlern eine lebenslange Freundschaft.

Larionow war bisher Führer der Avantgarde gewesen, doch infolge des wachsenden Anspruchs Malewitschs entwickelte sich eine Rivalität um die Führungsrolle, die ihre Ursache auch in unterschiedlichen künstlerischen Konzepten hatte. Malewitsch wandte sich dem Kubofuturismus zu, den er in St. Petersburg bei der „Union der Jugend“ während eines Vortrags als einzig vertretbare Richtung in der Kunst darstellte. Er malte bis 1913 einige Bilder in diesem Stil, beispielsweise das Gemälde Der Holzfäller. Sein Werk war auch in Übersee in der Armory Show (International Exhibition of Modern Art) in New York im Jahr 1913 vertreten.

Die Oper Sieg über die Sonne, Begründung des Suprematismus

Skizze zum 5. Bild der Oper Sieg über die Sonne, 1913, Staatliches Museum für Theater und Musik, Sankt Petersburg

Im Sommer 1913 begannen unter Malewitschs Mitwirkung in Uusikirkko (Finnland) die Arbeiten an der Komposition der Oper Sieg über die Sonne. Das futuristische Werk wurde am 3. Dezember 1913 im Lunapark-Theater in Sankt Petersburg uraufgeführt. Welimir Chlebnikow verfasste den Prolog, Alexei Krutschonych das Libretto, die Musik stammte von Michail Matjuschin und das Bühnenbild sowie die Kostüme von Malewitsch. Auf einen Bühnenvorhang malte er das erste Schwarze Quadrat. Darin liegt auch der Grund, weshalb Malewitsch die Geburtsstunde des Suprematismus in das Jahr 1913 verlegte und sich nicht auf die im eigentlichen Sinne suprematistischen Bilder von 1915 berief.[7] Im März/April 1914 fand im „Salon des Indépendants“ in Paris eine Ausstellung statt, auf der Malewitsch mit drei Gemälden vertreten war.

Schwarzes Quadrat auf weißem Grund, 1915 erstmals ausgestellt, Tretjakow-Galerie, Moskau

Die 0,10 Ausstellung mit dem Schwarzen Quadrat in Petrograd, 1915

Im Jahr 1915 schrieb er das Manifest Vom Kubismus zum Suprematismus. Der neue malerische Realismus – mit dem Schwarzen Quadrat auf dem Umschlag – und stellte im Dezember in der Ausstellung Letzte futuristische Ausstellung „0,10 erstmals sein suprematistisches Gemälde Das Schwarze Quadrat auf weißem Grund in der Galerie Dobytschina in Petrograd (von 1914 bis 1924 der Name für Sankt Petersburg) aus, das im Katalog als Viereck bezeichnet wurde. Die geheimnisvolle Zahl 0,10 bezeichnet eine Denkfigur: Null, weil man erwartete, dass nach der Zerstörung des Alten die Welt von Null wieder beginnen könnte, und zehn, weil sich ursprünglich zehn Künstler beteiligen wollten. Tatsächlich waren es vierzehn Künstler, die an der Ausstellung teilgenommen hatten.

Malewitsch hängte sein Quadrat schräg oben in die Wandecke unter die Decke des Raumes, dort hatte gewöhnlich eine russische Ikone ihren traditionellen Platz.[8][9] Zu den Ausstellenden gehörten neben Malewitsch Wladimir TatlinNadeschda UdalzowaLjubow Popowa und Iwan Puni.

Die Ausstellung, die vernichtende Kritiken erhielt, markiert jedoch den Durchbruch zur gegenstandslosen, abstrakten Kunst; das bahnbrechende Ereignis in der Kunstgeschichte fand zu dieser Zeit nicht die länderübergreifende Beachtung, da in Europa der Krieg ausgebrochen war. Malewitsch wurde im Jahr 1916 zur zaristischen Armee einberufen und verbrachte die Zeit bis zum Kriegsende in einer Schreibstube. In dieser Zeit arbeitete er weiter an seinen Gemälden sowie an den theoretischen Schriften und korrespondierte mit Matjuschin. Obgleich die russischen Avantgardegruppen unterschiedliche Theorien vertraten, was zu Kontroversen führte, gab es unter den harten Kriegsbedingungen gemeinsame Kunstausstellungen der Suprematisten unter Malewitschs Führung sowie der Konstruktivisten, deren Leitung Tatlin innehatte. Malewitsch stellte beispielsweise auf Tatlins Wunsch in gewollter Abgrenzung ältere kubofuturistische Arbeiten zur Verfügung wie Ein Engländer in Moskau, die in dessen Ausstellung Magasin in einem Kaufhaus aufgenommen wurden.[10]

Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde Malewitsch mit der Aufsicht über die nationalen Kunstsammlungen des Kreml betraut. So wurde er Vorsitzender der Kunstabteilung des Moskauer Stadtsowjets und Meister an der zweiten „Freien staatlichen Kunstwerkstätte“ (SWOMAS) sowie Professor an den „Freien staatlichen Kunstwerkstätten“ in Petrograd. Im engeren Sinn war er weder ein engagierter Funktionär noch Revolutionär, er nutzte nur die neuen Machthaber für die Durchsetzung seiner künstlerischen Ambitionen. Seine Malerei hatte sich in der Kunstszene durchgesetzt, er erhielt beispielsweise im Herbst 1918 mit Matjuschin den Auftrag, die Dekoration für einen Kongress über die Dorfarmut im Winterpalais zu schaffen.

 

[Auszug aus Wikipedia von 31.12.2021]

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